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Europa & die Welt

Die Jugend ist europäisch - das zeigen auch die Ergebnisse der AGs „Grenzenloses Europa“. Darin sprechen sich die Teilnehmer*innen klar für den inneneuropäischen Austausch und Integration aus. Europa bedeutet für sie aber auch offene Grenzen, Solidarität mit Menschen in Not und die Einhaltung von Menschrechten. In der AG „Junge Internationale“ haben sich die Jugendlichen kritisch mit dem kolonialen Erbe Europas auseinandergesetzt und Lösungsideen für eine internationale Weltgesellschaft auf Augenhöhe entwickelt.

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„Wir halten es für notwendig, dass Jugendliche und junge Erwachsene mehr Mitbestimmungsrecht und Teilhabe innerhalb der EU bekommen, Diskussionen auf Augenhöhe geführt werden und ein fairer Umgang miteinander herscht. Um die Zukunft gestalten zu können, braucht es unsere Stimme, denn wir sind Europas Zukunft.“

Das europäische Wertesystem

Auf dem Weg in ein Europa, in dem wir gut und gerne leben wollen, darf niemand im Mittelmeer ertrinken oder durch Grenzpersonal misshandelt werden. Ein einheitliches und faires Asylverfahren, legale Einreisemöglichkeiten und schärfere Regelungen für Frontex sind das Mindeste, das die europäischen Staaten im Umgang mit Flüchtenden gewährleisten müssen. Weitergehend sollten Fluchtursachen nachhaltig bekämpft werden. Der kontinuierliche Einsatz für Menschenrechte und gegen den Klimawandel sind dafür zentral.

Die europäische Jugend

Um die europäischen Werte und Ideen über Generationen und Landesgrenzen zu stärken, ist der Austausch zwischen jungen Europäer*innen mehr als ein Mittel zum Zweck. Bildungsreisen und Austauschprogramme fördern die inter-europäische Kommunikation und die Identifikation der verschiedenen Kulturen mit einem gemeinsamen Wertesystem. Der inter-generationale Fortbestand der Europäischen Union sollte durch mehr Mitbestimmung und Teilhabe von Jugendlichen innerhalb der EU-Institutionen ermöglicht werden. Die Senkung des Wahlalters und die Integration europäischer Inhalte in die Lehrpläne stellen dafür erste Schritte dar.

Die europäische Identität

Europa vereint eine Vielzahl an kulturellen und religiösen Identitäten und diese Vielfalt gilt es zu fördern und zu zelebrieren. Besonders die Teilhabe und Repräsentation junger Menschen, deren kulturelle und religiöse Zugehörigkeit marginalisiert wird, muss verbessert werden. Wie auch die physischen Grenzen, müssen wir Vorbehalte abbauen und uns unserer Gemeinsamkeiten, statt unserer Unterschiede, bewusst werden.

Zukunftsvision

Ein offenes Europa ohne Grenzen, in dem Menschenrechte priorisiert werden und alle, ungeachtet ihrer Herkunft, Religion, sexueller Orientierung, Hautfarbe und Geschlecht, friedlich miteinander leben.

Erarbeitet von der Arbeitsgruppe Grenzenloses Europa?

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„Das größte Problem [für Jugendbewegungen und Entwicklungszusammenarbeit], das ich oder das auch wir in der Gruppe gesehen haben, aus dem sehr viele weitere Probleme entspringen, ist die Nichtaufarbeitung von Geschichte und das Nicht-Bewusstseins von kolonialen Machtstrukturen.“

Aufarbeitung von (Neo-)Kolonialismus

Die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte muss in den Lehrplänen mehr Raum einnehmen. Gerade Rassismussensibilisierung ist im Rahmen der geschichtlichen Aufklärung zentral. Genauso muss die Ausbildung von Lehrpersonal auf allen Ebenen des Bildungssystems um machtkritische Perspektiven erweitert werden.

Begegnung auf Augenhöhe

Damit die Qualität von Freiwilligen- und Austauschprogrammen für beide Seiten erhöht wird, ist der Gegenbesuch von Teilnehmer*innen aus dem Global Süden wichtig und sollte durch Visaerleichterungen und finanzielle Hilfen gefördert werden. Neben dem Kennenlernen anderer Kulturen und Sprachen muss über Kolonialgeschichte informiert und über weiterhin bestehende koloniale Tendenzen aufgeklärt werden. Bei der Umsetzung solcher Seminare und Reisen müssen lokale Organisationen den Ton angeben, da sie am Besten wissen, wie man sich vor Ort sinnvoll engagieren kann. Gleichzeitig lässt sich der grenzübergreifende Austausch auf den digitalen Raum ausweiten, indem Jugendbegegnung auch online stattfindet.

Reparationen statt Entwicklungshilfe

Um bestehende Ungleichheiten nicht weiter zu befördern, müssen ehemals kolonialisierte Länder nicht nur Entwicklungshilfe, sondern auch Kompensationen für die entstandenen Schäden erhalten. Die Rückgabe von Raubgut und Schadensersatzzahlungen von Konzernen, welche die Umwelt in Drittstaaten verschmutzen, müssen verpflichtend sein. Nur eine globalisierte Welt, in der alle Partner*innen gleichwertig teilnehmen und mitbestimmen können, wird den offenen Verpflichtungen unserer Kolonialgeschichte gerecht.

Zukunftsvision

Das Wissen über ehemalige und bestehende Kolonial- und Machtstrukturen ist fest verankert in unserer Gesellschaft. Dieses Bewusstsein zerschlägt ausbeuterische Verhältnisse und ermöglicht das Zusammenleben einer internationalen Gesellschaft auf Augenhöhe.

Erarbeitet von der Arbeitsgruppe Junge Internationale